Schulterläsionen

ICD-Code: M75

PrioPEG-Evidenz-Exposé

Dieses Evidenz-Exposé ist eines der Ergebnisse der im Projekt PrioPEG erfolgten Literatur-Recherche. Wir veröffentlichen hier einen konzentrierten Überblick über die gefundene Evidenz zu Effekten der Gruppentherapie bei der Indikation Schulterläsionen.

Erklärung: Exposé und Ampelsystem

Das PrioPEG-Evidenz-Exposé ist strukturiert nach den drei Kriterien

  1. Wirksamkeit,
  2. Akzeptanz und
  3. Umsetzbarkeit

von Gruppentherapie für das genannte Krankheitsbild.

Zudem gibt das PrioPEG-Projektteam in einem 5-stufigen Ampelsystem eine klassifizierte Einschätzung zur Evidenz. Legende:

Gelb: keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung von Gruppenbehandlung

Wo aufgrund der Evidenz-Lage keine qualifizierte Klassifizierung möglich ist, wird die Ampel in Grau dargestellt.

1. Wirksamkeit von Gruppentherapie

X
Schulterfunktion: Hinweise auf positive Wirkung der Gruppenbehandlung

3 von 3 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten Schulterfunktion als Endpunkt.

Christiansen 2021 verglichen eine kombinierte Gruppenbehandlung aus schulter-spezifischem Bewegungstraining und Schulung in Körperhaltung, Schulterfunktion, körperlicher Aktivität sowie Schmerz- und Rückfallmanagement bei 68 Personen (Ø 52 Jahre) mit Einzelbehandlung gleichen Inhalts bei 69 Personen (Ø 51 Jahre) und Eigentraining bei 71 Personen (Ø 54 Jahre). Alle Personen hatten kurz zuvor eine konservative oder chirurgische Krankenhausbehandlung bei Schulterverletzung oder -arthritis erhalten. Die kombinierte Gruppenbehandlung erfolgte ambulant in 12 Einheiten (von 45-60 min, 1-2x/Wo, 8 Wo). Die Einzelbehandlung hatte eine ähnliche Intensität. Das Eigentraining wurde maximal viermal physiotherapeutisch supervidiert.

  • Effekte: Die Gruppenbehandlung zeigte verglichen mit der Einzelbehandlung ähnlich positive Effekte auf die Schulterfunktionen (Disability of Arm, Shoulder and Hand Questionnaire), den Schulterschmerz und auf die von Patient*innen noch akzeptierbare Symptomatik (Patient Acceptable Symptom Scale).
  • Methodische Schwächen (PEDro 6 von 10): Fehlende Verblindung, unklar wie die Gruppenzuordnung verdeckt wurde (concealment methods).

Russell 2014 verglichen ein schulter-spezifisches Zirkeltraining in der Gruppe bei 25 Personen mit Einzelbehandlung bei 24 Personen und Eigentraining bei 26 Personen. Bei allen Personen wurde die sogenannte Schultersteife (frozen shoulder) diagnostiziert, sie waren im Durchschnitt 51 Jahre alt. Das Gruppen-Zirkeltraining erfolgte in 12 Einheiten a 50 min, 2x/Wo, 6 Wo. Die Einzelbehandlung hatte die gleiche Intensität und erfolgte nicht standardisiert, aber bedarfsgerecht individualisiert durch erfahrene Physiotherapeut*innen. Patient*innen in beiden Gruppen wurden für das anschließende Eigentraining instruiert und erhielten dazu eine Broschüre. Patient*innen in der Eigentrainingsgruppe erhielten nur die Broschüre.

  • Effekte: Die Gruppenbehandlung zeigte verglichen mit der Einzelbehandlung und dem Eigentraining signifikant positive Effekte auf die Schulterfunktionen (Constant Murley Score mit Alltagsaktivitäten, Bewegungsausmaß, Schmerz und Kraft sowie Oxford Shoulder Score mit Schmerz und Funktion).
  • Methodische Schwächen (PEDro 7): Fehlende Verblindung, Vergleichbarkeit der Patientencharakteristika der Gruppen unklar.

Ryans 2020 verglichen eine schulter-spezifische Schulung in der Gruppe und geeignete Übungen bei 68 Personen (Ø 55 Jahre) mit Einzelbehandlung bei 68 Personen (Ø 58 Jahre). Alle Personen berichteten einseitige Schulterschmerzen länger als vier Wochen und hatten mindestens eine mittlere Beeinträchtigung in der Schulterfunktion (subakromiales Impingement-Syndrom). Die Schulung erfolgte ambulant für 5-10 TN, 30 min, 1x/Wo, 6 Wo. Die Einzelbehandlung hatte die gleiche Intensität.

  • Effekte: Die Gruppenbehandlung zeigte verglichen mit der Einzelbehandlung signifikant positive Effekte auf die Schulterfunktionen (Shoulder Pain and Disability Index). Die globale Einschätzung der Patient*innen (Global Patient Self-Assessment) sowie die Schulter-Rotation nach innen waren bei der Gruppenbehandlung verglichen mit der Einzelbehandlung nicht signifikant verbessert. Bei der Schulter-Rotation nach außen waren die Effekte der Einzelbehandlung signifikant besser.
  • Methodische Schwächen (PEDro 6): Fehlende Verblindung, Abbrecherrate > 20 %, keine ITT-Analyse.
X
Lebensqualität: Hinweise auf positive Wirkung der Gruppenbehandlung

3 von 3 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten Lebensqualität.

Christiansen 2021 (PEDro 6, näher beschrieben unter Schulterfunktion).

  • Effekte: Die Gruppenbehandlung zeigte verglichen mit der Einzelbehandlung ähnlich positive Effekte (EQ-5D-5L).

Russell 2014 (PEDro 7, näher beschrieben unter Schulterfunktion).

  • Effekte: Schulter-spezifisches Zirkeltraining zeigte verglichen mit Einzelbehandlung signifikant positive Effekte (SF36, körperliche Komponente).

Ryans 2020 (PEDro 6, näher beschrieben unter Schulterfunktion).

  • Effekte: Die schulter-spezifische Schulung zeigte verglichen mit Einzelbehandlung in einem Messintrument (EQ-5D-3L) signifikant positive Effekte, in einem anderen (SF36) nicht.
X
Psychische Endpunkte: Hinweise auf positive Wirkung der Gruppenbehandlung

3 von 3 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten psychische Endpunkte.

Christiansen 2021 (PEDro 6, näher beschrieben unter Schulterfunktion).

  • Effekte: Die Gruppenbehandlung zeigte verglichen mit der Einzelbehandlung ähnlich positive Effekte auf psychisches Wohlergehen (WHO-5) und ängstliches Vermeidungsverhalten bei Arbeits- und Freizeitaktivitäten.

Russell 2014 (PEDro 7, näher beschrieben unter Schulterfunktion).

  • Effekte: Das Schulter-spezifisches Zirkeltraining zeigte verglichen mit der Einzelbehandlung ähnlich positive Effekte auf Angst und Depression (Hospital Anxiety and Depression Scale).

Ryans 2020 (PEDro 6, näher beschrieben unter Schulterfunktion).

  • Effekte: Die schulter-spezifische Schulung zeigte verglichen mit der Einzelbehandlung keine signifikant positiven Effekte auf Angst und Depression (Hospital Anxiety and Depression Scale).
X
Kosten: Keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung der Gruppenbehandlung

2 von 3 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten Kosten als Endpunkt.

Christiansen 2021 (PEDro 6, näher beschrieben unter Schulterfunktion).

  • Effekte: Die Gruppenbehandlung zeigte verglichen mit der Einzelbehandlung innerhalb von 6 Monaten ähnliche Kosten zwischen Gruppen- und Einzelbehandlung für die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und den Produktivitätsausfall. Die Gruppe mit Eigentraining hatte die geringsten Kosten. Der Gruppenunterschied war jedoch nicht signifikant.

Ryans 2020 (PEDro 6, näher beschrieben unter Schulterfunktion).

  • Effekte: Schulter-spezifische Schulung in der Gruppe verglichen mit Einzelbehandlung zeigte ähnliche Effekte auf die Gesamtkosten für die Inanspruchnahme medizinischer Angebote innerhalb eines Jahres. Die Schulung in der Gruppe senkte die Behandlungskosten für schulter-spezifische Physiotherapie.

2. Akzeptanz von Gruppentherapie

X
Patient*innen: Keine Hinweise für positive oder negative Akzeptanz von Gruppenbehandlung

Christiansen 2021 (PEDro 6, näher beschrieben unter Schulterfunktion) fand, dass sich die Patient*innen-Zufriedenheit und Teilnahmehäufigkeit bei Gruppen- und Einzel-Therapie nicht signifikant unterschieden.

Ryans 2020 (PEDro 6, näher beschrieben unter Schulterfunktion) fand, dass die Teilnahmehäufigkeit bei schulter-spezifischer Schulung in der Gruppe verglichen mit Einzelbehandlung ähnlich hoch war.

Therapeut*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.

3. Umsetzbarkeit von Gruppentherapie in der ambulanten Physiotherapie

Praktische Durchführbarkeit: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Durchführbarkeit.

Tele-Fähigkeit: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Tele-Fähigkeit.