Parkinson

ICD-Code: G20

PrioPEG-Evidenz-Exposé

Dieses Evidenz-Exposé ist eines der Ergebnisse der im Projekt PrioPEG erfolgten Literatur-Recherche. Wir veröffentlichen hier einen konzentrierten Überblick über die gefundene Evidenz zu Effekten der Gruppentherapie bei der Indikation Morbus Parkinson.

Erklärung: Exposé und Ampelsystem

Das PrioPEG-Evidenz-Exposé ist strukturiert nach den drei Kriterien

  1. Wirksamkeit,
  2. Akzeptanz und
  3. Umsetzbarkeit

von Gruppentherapie für das genannte Krankheitsbild.

Zudem gibt das PrioPEG-Projektteam in einem 5-stufigen Ampelsystem eine klassifizierte Einschätzung zur Evidenz. Legende:

Gelb: keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung von Gruppenbehandlung

Wo aufgrund der Evidenz-Lage keine qualifizierte Klassifizierung möglich ist, wird die Ampel in Grau dargestellt.

1. Wirksamkeit von Gruppentherapie

X
Mobilität / Gehfähigkeit: Hinweise auf positive Wirkung der Gruppenbehandlung

Palm 2024: Systematische Übersichtsarbeit zu körperlichem Training in der Gruppe

  • Patient*innen: 62 bis 75 Jahre mit Parkinson Erkrankung im leichten bis mittleren Stadium (Score nach Hoehn & Yahr: 1,7 bis 3,3).
  • Intervention
    • WER: Physiotherapeut*innen oder andere therapeutische Berufsgruppen.
    • WAS: Unterschiedliches Bewegungstraining in der Gruppe (n ≥ 2) mit Kraft-, Balance-, Laufband-, Geräte- oder Zirkeltraining sowie Tai Chi, Yoga, Pilates, Nordic Walking, Tanz, Musiktherapie mit Bewegung oder Bewegung mit Computer-Spielkonsole (exergaming), ggf. kombiniert mit Edukation oder neurokognitiver Imagination.
    • WO: teils in Reha-Kliniken, teils ambulant.
    • WIE OFT:
      • Stunden pro Einheit: 1-2.
      • Frequenz: von 1 x in 4 Wochen bis 5 pro Woche.
      • Dauer: von 2 bis zu 52 Wochen.
  • Vergleichsintervention: Gruppenbehandlung wurde mit Routineversorgung oder Einzelbehandlung verglichen. Gruppenbehandlung zeigte vergleichbare Wirksamkeit wie Einzelbehandlung. Da die Gruppenbehandlung jedoch wirksamer als die Routineversorgung war, werden im Folgenden die Ergebnisse der Gruppenbehandlung im Vergleich zu Routineversorgung berichtet.
  • Ergebnisse
    • Signifikant positive Effekte fanden sich bei (1) Balance (Berg Balance Scale, Mini-BEST), (2) Beinkraft (5-times sit-to-stand test), (3) Bewegungsblockade (Freezing of gait), (4) Gehgeschwindigkeit und -ausdauer (Gait speed, preferred, 6-min walk test, Timed “Up & Go”Test) sowie (5) Alltagsaktivitäten und -mobilität (UPDRS ADL & motor)
    • Nicht signifikante Effekte fanden sich bei (1) Sturzrisiko (Falls Efficacy Scale) und (2) schnellem Gehen (Gait speed, fast)
  • Methodische Qualität: Das Review umfasste 23 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 1.090 Patient*innen. Bewertet nach AMSTAR 2 wies das Review in vielen Bereichen methodische Schwächen auf, etwa bei der Suchstrategie, der Datenextraktion, der Vollständigkeit der Berichterstattung und der Berücksichtigung des Verzerrungsrisikos der eingeschlossenen Studien.

States 2024: Systematische Übersichtsarbeit zu körperlichem Training in der Gruppe

  • Patient*innen: Anfang 60 bis Anfang 70 mit Parkinson Erkrankung im leichten bis mittleren Stadium (Score nach Hoehn & Yahr: 1 bis 4).
  • Intervention
    • WER: Physiotherapeut*innen oder andere therapeutische Berufsgruppen.
    • WAS: Unterschiedliches Bewegungstraining in der Gruppe (n ≥ 3) mit multimodalen Übungen sowie Tai Chi, Yoga, Qigong oder Tanz.
    • WO: unklar.
    • WIE OFT:
      • Stunden pro Einheit: 0,5 bis 1,5.
      • Frequenz: von 1 bis 5 x pro Woche.
      • Dauer: von 8 bis zu 104 Wochen.
  • Vergleichsintervention: Gruppenbehandlung wurde mit Routineversorgung oder Einzelbehandlung verglichen. Gruppenbehandlung zeigte vergleichbare Wirksamkeit wie Einzelbehandlung. Da die Gruppenbehandlung jedoch wirksamer als die Routineversorgung war, werden im Folgenden die Ergebnisse der Gruppenbehandlung im Vergleich zu Routineversorgung berichtet.
  • Ergebnisse
    • Signifikant positive Effekte fanden sich bei (1) Gehgeschwindigkeit (Timed “Up & Go”Test) und (2) Balance (Mini-BEST, Berg Balance Scale).
    • Nicht signifikante Effekte fanden sich bei (1) Sturzrisiko (Falls Efficacy Scale, Tinetti, Dynamic Gait Index) und (2) Einbeinstand (Single Leg stance).
  • Methodische Qualität: Das Review umfasste 26 randomisiert kontrollierte und 1 quasi-randomisierte Studien und insgesamt 1.200 Patient*innen. Bewertet nach AMSTAR-2 wies das Review in einigen Bereichen methodische Schwächen auf, etwa bei der Suchstrategie, der Vollständigkeit der Berichterstattung und der Berücksichtigung des Verzerrungsrisikos der eingeschlossenen Studien. Hinzu kommt, dass die Anzahl der Einzelstudien pro Meta-Analyse gering und deren Heterogenität hoch war.
X
Lebensqualität: Hinweise auf positive Wirkung der Gruppenbehandlung

Palm 2025: Systematische Übersichtsarbeit zu körperlichem Training in der Gruppe

  • Patient*innen: 62 bis 72 Jahre mit chronischer Parkinson Erkrankung (5 bis 10 Jahre) im leichten bis mittleren Stadium (Score nach Hoehn & Yahr: 2,0 bis 3,2).
  • Intervention
    • WER: Tanzlehrer*innen, Personal Trainer*innen, Sprachlehrer*innen.
    • WAS: Unterschiedliches Bewegungstraining in der Gruppe (n ≥ 2) mit Kraft-, Balance-, oder Gangtraining sowie Stretching, Tai Chi, Yoga, Nordic Walking, Tanz oder Bewegung mit Computer-Spielkonsole (exergaming), ggf. kombiniert mit Edukation oder neurokognitiver Imagination.
    • WO: ambulant oder in kommunalen Zentren.
    • WIE OFT:
      • Stunden pro Einheit: 0,5 bis 2.
      • Frequenz: von 1 bis 5 x pro Woche.
      • Dauer: von 2 bis zu 26 Wochen.
  • Vergleichsintervention: Gruppenbehandlung wurde mit Routineversorgung oder Einzelbehandlung verglichen. Gruppenbehandlung zeigte vergleichbare Wirksamkeit wie Einzelbehandlung. Da die Gruppenbehandlung jedoch wirksamer als die Routineversorgung war, werden im Folgenden die Ergebnisse der Gruppenbehandlung im Vergleich zu Routineversorgung berichtet.
  • Ergebnisse
    • Signifikant positive Effekte fanden sich bei Lebensqualität (PDQ-39, BDI-II, UPDRS-I, EQ-5D, FSS, AS, ESS, Ex. Self-Eff. Scale, Ham-A, Ham-D, Happiness Scale, LARS, NMSS, PFS-16, PDSS, PDQL, Phys Self-Worth Scale, SAS, SDS).
  • Methodische Qualität: Das Review umfasste 14 randomisiert kontrollierte Studien und 732 Patient*innen mit niedrigem bis mittlerem Verzerrungsrisiko. Bewertet nach AMSTAR 2 wies das Review in einigen Bereichen methodische Schwächen auf, etwa bei der Suchstrategie, der Vollständigkeit der Berichterstattung und der Berücksichtigung des Verzerrungsrisikos der eingeschlossenen Studien.

2. Akzeptanz von Gruppentherapie

Patient*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.

Therapeut*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.

3. Umsetzbarkeit von Gruppentherapie in der ambulanten Ergotherapie

Praktische Durchführbarkeit: positive Interpretation des Studienteams bez. Konsistenz der Patientengruppe

Das Alter der untersuchten Patientengruppen lag konsistent zwischen 62 und 75 Jahren.

Der Schweregrad der Parkinson-Erkrankung lag relativ konsistent bei leichter bis mittlerer Ausprägung.

Praktische Durchführbarkeit: negative Interpretation des Studienteams bez. Konsistenz der Intervention

Die Art des Bewegungstrainings war sehr heterogen von Krafttraining an Maschinen über Tanz und Tai Chi bis hin zu Computerspiel.

Wenn Ergotherapeut*innen die Gruppenbehandlung durchführen, ist eine Spezialisierung auf nur wenig unterschiedliche Bewegungstrainings, die in Ergotherapie-Praxen gut umsetzbar sind, zu empfehlen.

Tele-Fähigkeit: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Tele-Fähigkeit.