PrioPEG-Evidenz-Exposé
Dieses Evidenz-Exposé ist eines der Ergebnisse der im Projekt PrioPEG erfolgten Literatur-Recherche. Wir veröffentlichen hier einen konzentrierten Überblick über die gefundene Evidenz zu Effekten der Gruppentherapie bei der Indikation Fatigue (bspw. bei Long-COVID).
Erklärung: Exposé und Ampelsystem
Das PrioPEG-Evidenz-Exposé ist strukturiert nach den drei Kriterien
- Wirksamkeit,
- Akzeptanz und
- Umsetzbarkeit
von Gruppentherapie für das genannte Krankheitsbild.
Zudem gibt das PrioPEG-Projektteam in einem 5-stufigen Ampelsystem eine klassifizierte Einschätzung zur Evidenz. Legende:
Grün: Vertrauenswürdige Hinweise auf deutlich positive Wirkung von Gruppenbehandlung
Hellgrün: Hinweise auf positive Wirkung von Gruppenbehandlung
Gelb: keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung von Gruppenbehandlung
Orange: Hinweise auf negative Wirkung von Gruppenbehandlung oder Überlegenheit von Einzelbehandlung
Rot: Vertrauenswürdige Hinweise auf deutlich negative Wirkung von Gruppenbehandlung oder deutliche Überlegenheit von Einzelbehandlung
Wo aufgrund der Evidenz-Lage keine qualifizierte Klassifizierung möglich ist, wird die Ampel in Grau dargestellt.
1. Wirksamkeit von Gruppentherapie
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Fatigue (Erschöpfung): keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung der Gruppenbehandlung
2 von 4 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten Fatigue-bezogene Endpunkte.
Pinxsterhuis 2017 verglichen bei Erwachsenen mit chronischem Fatigue-Syndrom eine Aktionsplan-Erstellung und -Durchführung in der Gruppe (ambulant, 6-14 TN mit 2 Therapeut*innen, 150 min, 2x/Wo, 8 Wo) bei 71 Personen (Ø 44 Jahre) mit der Routineversorgung ohne diese Gruppenbehandlung bei 66 Personen (Ø 44 Jahre).
- Effekte: Nach 6 Monaten erhöhte sich die Schwere der Fatigue leicht bei der Gruppenbehandlung (Fatigue Severity Scale). Bei der Routineversorgung reduzierte sie sich leicht. Dieser Vorteil der Routineversorgung gegebnüber der Gruppenbehandlung war nach 6 Monaten signifikant, nicht aber nach 12 Monaten.
- Methodische Schwächen (PEDro 5 von 10): Fehlende Verblindung, Abbrecherrate >20 %, unklar, inwieweit sich die verglichenen Gruppen zu Studienbeginn unterschieden, keine ITT-Analyse.
McGregor 2024 verglichen bei COVID-19-Patient*innen mit körperlichen oder psychischen Spätfolgen ein Gruppen-Programm bei 298 Personen (Ø 56 Jahre) mit der Routineversorgung (30 min Beratung) bei 287 Personen (Ø 56 Jahre). Das Gruppen-Programm erfolgte online zuhause, Gruppengröße unklar, 60 min Übung & 60 min Beratung, 1x/Wo, 8 Wo. Es umfasste körperliches Online-Training von Atemübungen im Sitzen über Yoga zu Pilates in hoher Intensität sowie 6 x 60 min psychologische Beratung online in der Gruppe zu Pacing, Motivation und Management von Fatigue, Schlaf, Rückschlägen, Angst und Stress.
- Effekte: Das Gruppen-Programm reduzierte verglichen mit der Routeinversorgung die Fatigue signifikant (fatigue subscale of PROMIS, patient reported outcomes measurement information system).
- Methodische Schwächen (PEDro 7): Fehlende Verblindung, Abbrecherrate ca. 25 %.
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Kardiopulmonale und andere körperbezogene Endpunkte: Keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung der Gruppenbehandlung
3 von 4 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten kardiopulmonale oder andere körperbezogene Endpunkte:
McGregor 2024 (PEDro 7, näher beschrieben unter fatigue-bezogene Endpunkte).
- Effekte: Das kombinierte Gruppen-Programm (körperliches Training und psychologische Beratung) erhöhte verglichen mit der Routineversorgung die körperliche Aktivtät signifikant, nicht aber die körperliche Funktionsfähigkeit (activity & pyhsical fuction subscales of PROMIS, patient reported outcomes measurement information system). Auf Atembeschwerden fanden sich keine signifikant positiven Effekte (PROMIS dyspnoea severity short form).
Philip 2022 verglichen bei COVID-19-Patient*innen mit andauernden Atembeschwerden Online Atem- und Gesangsübungen in der Gruppe (20 TN, 60 min, 1x/Wo, 6 Wo) bei 74 Personen (Ø 49 Jahre) mit der Routineversorgung ohne Übungen bei 76 Personen (Ø 50 Jahre).
- Effekte: Die Atembeschwerden beim Laufen verbesserten sich signifikant, nicht aber in Ruhe, beim Treppensteigen oder beim Gehen (visual analouge scales). In weiteren Test zu Atembeschwerden fanden sich ebenso keine positiven Effekte (chronic obstructive pulmonary disease assessment test score, dyspnoea-12 score).
- Methodische Schwächen (PEDro 8): Fehlende Verblindung.
Pleguezuelos 2024 verglichen bei älteren COVID-19-Patient*innen mit Spätfolgen ein Online-Zirkeltraining mit Ausdauer- und Kraftübungen (Gruppengröße unklar, 70 min, 3x/Wo, 12 Wo) bei 52 Personen (Ø 65 Jahre) mit der Routineversorgung ohne Übungen bei 54 Personen (Ø 64 Jahre).
- Effekte: Das Zirkeltraining zeigte verglichen mit der Rotuineversorgung signifikant positive Effekte auf die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit (cardiopulmonary exercise testing), die Muskelmasse (body composition, bioelectrical impedence analyse) und die Muskelkraft (isokinetic strength test). Keine Verbesserung gab es bei der Lungenfunktion (spirometry test).
- Methodische Schwächen (PEDro 6): Fehlende Verblindung, unklar, wie die Gruppenzuordnung verdeckt wurde (concealment methods) und inwieweit sich die verglichenen Gruppen zu Studienbeginn unterschieden.
| X |
Lebensqualität: Keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung der Gruppenbehandlung
3 von 4 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten Lebensqualität.
Pinxsterhuis 2017 (PEDro 5, näher beschrieben unter fatigue-bezogene Endpunkte).
- Effekte: Die Gruppenbehandlung mit Aktionsplan-Erstellung und -Durchführung zeigte keine signifikant positiven Effekte auf Lebensqualität (SF 36).
McGregor 2024 (PEDro 7, näher beschrieben unter fatigue-bezogene Endpunkte).
- Effekte: Das kombinierte Gruppen-Programm (körperliches Training und psychologische Beratung) zeigte keine signifikant positiven Effekte auf Lebensqualität (Neuro-QoL)
Philip 2022 (PEDro 8, näher beschrieben unter kardiopulmonale Endpunkte).
- Effekte: Die Online Atem- und Gesangsübungen zeigte verglichen mit der Routineversorgung signifikant positive Effekte auf die psychiche Komponente der Lebensqualität (SF 36, mental health composite), nicht aber auf die körperliche Komponente (SF 36, physical health composite).
| X |
Psychische Endpunkte: Keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung der Gruppenbehandlung
2 von 4 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten psychische Endpunkte.
McGregor 2024 (PEDro 7, näher beschrieben unter fatigue-bezogene Endpunkte).
- Effekte: Das kombinierte Gruppen-Programm (körperliches Training und psychologische Beratung) zeigte signifikant positive Effekte auf Angst und Depression (anxiety & depression subscale of PROMIS, patient reported outcomes measurement information system), nicht aber auf Schlafbeschwerden (sleep disturbance subscale of PROMIS).
Philip 2022 (PEDro 8, näher beschrieben unter kardiopulmonale Endpunkte).
- Effekte: Die Online-Atem- und Gesangsübungen zeigten verglichen mit der Routineversorgung keine signifikant positiven Effekte auf Angst (generalised anxiety disorder 7-item scale).
| X |
Weitere Endpunkte: Keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung der Gruppenbehandlung
3 von 4 randomisiert kontrollieren Studien untersuchten weitere Endpunkte.
Pinxsterhuis 2017 (PEDro 7, näher beschrieben unter fatigue-bezogene Endpunkte).
- Effekte: Die Gruppenbehandlung mit Aktionsplan-Erstellung und -Durchführung zeigte signifikant positive Effekte auf Selbstwirksamkeit nach 6 Monaten, nicht aber nach 12 Monaten (self-efficacy scale) und keine signifikant positiven Effekte auf die Akzeptanz der Erkrankung (illness cognition questionnaire, acceptance subscale).
McGregor 2024 (PEDro 7, näher beschrieben unter fatigue-bezogene Endpunkte).
- Effekte: Das kombinierte Gruppen-Programm (körperliches Training und psychologische Beratung) zeigte signifikant positive Effekte auf Schmerz-Beeinflussbarkeit, nicht aber auf Schmerzintensität (pain interference subscale of PROMIS, patient reported outcomes measurement information system) und keine signifikant positiven Effekte auf soziale Rollen oder kognitive Funktionen (social roles & cognitive function subscales of PROMIS).
Philip 2022 (PEDro 8, näher beschrieben unter kardiopulmonale Endpunkte).
- Effekte: Die Online Atem- und Gesangsübungen zeigte verglichen mit der Routineversorgung keine unterschiedlichen Effekte bei unerwünschten Ereignissen.
2. Akzeptanz von Gruppentherapie
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Patient*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.
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Therapeut*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.
3. Umsetzbarkeit von Gruppentherapie in der ambulanten Ergotherapie
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Praktische Durchführbarkeit: Interpretation des Studienteams bez. der Passung der Intervention
Zirkeltraining und Atem- bzw. Gesangsübungen werden klassischerweise nicht von Ergotherapeut*innen angeboten.
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Tele-Fähigkeit: Hinweis, dass Online-Schulungen und Online-Training möglich sind.
McGregor 2024 (PEDro 7, näher beschrieben unter fatigue-bezogene Endpunkte). Das kombinierte Gruppen-Programm (körperliches Training und psychologische Beratung) wurde komplett online durchgeführt und reduzierte verglichen mit der Routineversorgung die Fatigue signifikant.
Philip 2022 (PEDro 8, näher beschrieben unter kardiopulmonale Endpunkte). Atem- und Gesangsübungen wurden komplett online durchgeführt.
Pleguezuelos 2024 (PEDro 6, näher beschrieben unter kardiopulmonale Endpunkte). Zirkeltraining mit Ausdauer- und Kraftübungen wurde bei älteren COVID-19-Patient*innen mit Spätfolgen komplett online durchgeführt.