Entwicklungs- / Verhaltens-Störungen

ICD-Code: F81, F82, F83, F84, F89, F90, F98

PrioPEG-Evidenz-Exposé

Dieses Evidenz-Exposé ist eines der Ergebnisse der im Projekt PrioPEG erfolgten Literatur-Recherche. Wir veröffentlichen hier einen konzentrierten Überblick über die gefundene Evidenz zu Effekten der Gruppentherapie bei der Indikation Entwicklungs- / Verhaltens-Störungen.

Erklärung: Exposé und Ampelsystem

Das PrioPEG-Evidenz-Exposé ist strukturiert nach den drei Kriterien

  1. Wirksamkeit,
  2. Akzeptanz und
  3. Umsetzbarkeit

von Gruppentherapie für das genannte Krankheitsbild.

Zudem gibt das PrioPEG-Projektteam in einem 5-stufigen Ampelsystem eine klassifizierte Einschätzung zur Evidenz. Legende:

Gelb: keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung von Gruppenbehandlung

Wo aufgrund der Evidenz-Lage keine qualifizierte Klassifizierung möglich ist, wird die Ampel in Grau dargestellt.

1. Wirksamkeit von Gruppentherapie

Ausschluss einer formal einschlussfähigen Studie aufgrund mangelnder Übertragbarkeit

Golos 2011 verglichen ergotherapeutische Gruppenbehandlung mit der Routineversorgung ohne ergotherapeutische Gruppenbehandlung bei 4-jährigen Jungen in einem ultra-orthodoxen Bildungssetting in Israel. In diesem Setting werden Vorschuljungen und -mädchen getrennt unterrichtet. Da der Fokus bei Jungen auf religiösen Inhalten liegt, bietet dieses Vorschul-Setting für Jungen wenig Gelegenheiten für spielerische und körperliche Aktivitäten. Dies erhöht das Risiko für Entwicklungsverzögerungen. Das PrioPEG Studienteam hält das von Golos 2011 untersuchte Vorschul-Setting für nicht vergleichbar mit Vorschul-Settings in Deutschland und schließt diese Studie daher aufgrund mangelnder Übertragbarkeit der Ergebnisse aus.

X
Kognitionsbezogene Funktionen: Keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung der Gruppenbehandlung

Eine randomisiert kontrollierte Studie untersuchte kognitionsbezogene Funktionen als Endpunkt.

Ward 2017 verglichen ein Bewegungstraining in der Gruppe bei Kindern mit koordinativen Entwicklungsstörung, durchgeführt (1) durch Schul-Assistent*innen in der Schule bei 37 Kindern (Ø 6 Jahre, 3 Mon), (2) durch Physiotherapeut*innen in der Schule bei 30 Kindern (Ø 6 Jahre, 7 Mon) oder (3) durch Physiotherapeut*innen in der Klinikambulanz bei 26 Kindern (Ø 6 Jahre, 1 Mon). Alle drei Gruppentrainings erfolgten mit 4-6 Kindern (ab 4 Kindern mit 2 Therapeut*innen), 60 min, 1x/Wo, 13 Wo.

  • Effekte: Alle drei Bewegungstrainings in der Gruppe zeigten keine signifikant positiven Effekte auf die wahrgenommene kognitive Kompetenz.
  • Methodische Schwächen (PEDro 7 von 10): Fehlende Verblindung, unklar wie sich die Gruppen zu Beginn der Studie im Detail unterschieden.
X
Bewegungsbezogene Funktionen: Keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung der Gruppenbehandlung

Eine randomisiert kontrollierte Studie untersuchte bewegungsbezogene Funkionen als Endpunkt.

Ward 2017 (PEDro 7, näher beschrieben unter kognitionsbezogene Endpunkte).

  • Effekte: Alle drei Bewegungstrainings in der Gruppe (Schul-Assistent*in oder Physiotherapeut*in in Schule oder Physiotherapeut*in in Klinikambulanz) zeigten ähnlich positive Effekte auf motorische Fertigkeiten.

2. Akzeptanz von Gruppentherapie

Patient*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.

Therapeut*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.

3. Umsetzbarkeit von Gruppentherapie in der ambulanten Ergotherapie

Praktische Durchführbarkeit: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Durchführbarkeit.

Tele-Fähigkeit: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Tele-Fähigkeit.