Depression

ICD-Code: F32, F33

PrioPEG-Evidenz-Exposé

Dieses Evidenz-Exposé ist eines der Ergebnisse der im Projekt PrioPEG erfolgten Literatur-Recherche. Wir veröffentlichen hier einen konzentrierten Überblick über die gefundene Evidenz zu Effekten der Gruppentherapie bei der Indikation Depression.

Erklärung: Exposé und Ampelsystem

Das PrioPEG-Evidenz-Exposé ist strukturiert nach den drei Kriterien

  1. Wirksamkeit,
  2. Akzeptanz und
  3. Umsetzbarkeit

von Gruppentherapie für das genannte Krankheitsbild.

Zudem gibt das PrioPEG-Projektteam in einem 5-stufigen Ampelsystem eine klassifizierte Einschätzung zur Evidenz. Legende:

Gelb: keine Hinweise auf positive oder negative Wirkung von Gruppenbehandlung

Wo aufgrund der Evidenz-Lage keine qualifizierte Klassifizierung möglich ist, wird die Ampel in Grau dargestellt.

1. Wirksamkeit von Gruppentherapie

Ausschluss zweier formal einschlussfähiger Reviews aufgrund mangelnder Passung der Studienpopulation und mangelnder methodischer Qualität der Primärstudien

Bullock 2011 verglichen aktivitäts-basierte und gesprächs-basierte Gruppenbehandlungen bei Patienten*innen mit nicht näher definierten psychischen Beeinträchtigungen (psychiatric disabilities, chronic mental illness, outpatients of a psychiatric day treatment center). Die drei eingeschlossenen Primärstudien (Schindler 1999, Klyczek 1986, DeCarlo 1985) waren von geringer methodischer Qualität. Die nicht näher beschriebene Studienpopulation und die geringe methodische Qualität führten zum nachträglich Ausschluss des formal einschlussfähigen Reviews.

Bressington 2018 reviewte 6 Primärstudien zu Lachyoga mit sehr unterschiedlichen Studienpopulationen (Nierenerkrankte im finalen Stadium, Krebserkrankte nach Chemotherapie, Pflegestudierende, Pflegeheim-Bewohner*innen, Lachclub-Mitglieder und ältere Frauen mit Depression). Davon hatte nur eine Studie ein randomisiert kontrolliertes Design. Die heterogene Studienpopulation und der geringe Anteil randomisiert kontrollierter Studien führten zum nachträglich Ausschluss des formal einschlussfähigen Reviews.

X
Depression: Hinweise auf positive Wirkung der Gruppenbehandlung

Heissel 2023: Systematische Übersichtsarbeit zum Bewegungstraining bei Depression

  • Patient*innen: 18 bis 88 Jahre mit depressiven Symptomen oder schwerer Depression.
  • Intervention
    • WER: Physiotherapeut*innen, Fitness-/Yoga-/Zumba-Trainer*innen.
    • WAS: Bewegungstraining mit Ausdauer- und Krafttraining. 27 der 41 Primärstudien untersuchten Bewegungstraining in der Gruppe (Gruppengröße unklar).
    • WO: Ambulant und in der Klinik (outpatients & inpatients).
    • WIE OFT:
      • Zeit pro Einheit: 20 min bis 1,5 Std.
      • Frequenz: von 1 bis 5 x pro Woche.
      • Dauer: von 1,5 bis zu 32 Wochen
  • Vergleichsintervention: Routineversorgung ohne Bewegungstraining, teilweise mit sozialer Konversation.
  • Ergebnisse
    • Verglichen mit der jeweiligen Vergleichsintervention zeigten sowohl die Einzel- als auch die Gruppen-Bewegungstrainings ähnliche signifikant positive Effekte auf depressive Symptome.
  • Methodische Qualität: Das Review umfasste 41 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 2.544 Patient*innen. Bewertet nach AMSTAR 2 wies das Review in wenigen Bereichen methodische Schwächen auf, etwa bei der Definition der Einschlusskriterien und der Vollständigkeit der Berichterstattung.

Schuch 2016: Systematische Übersichtsarbeit zum Bewegungstraining bei älteren Menschen mit Depression

  • Patient*innen: 66 bis 101 Jahre mit Depression.
  • Intervention
    • WER: (Berufsgruppe unklar).
    • WAS: Bewegungstraining mit Ausdauer- und Krafttraining (Gruppengröße unklar).
    • WO: meist ambulant.
    • WIE OFT: (unklar).
  • Vergleichsintervention: Routineversorgung ohne Bewegungstraining, teilweise mit Gesundheitsschulung oder sozialer Konversation.
  • Ergebnisse
    • Verglichen mit der Vergleichsintervention zeigte Bewegungstraining in der Gruppe signifikant positive Effekte auf depressive Symptome, Einzel-Bewegungstraining jedoch nicht.
  • Methodische Qualität: Das Review umfasste 8 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 267 Patient*innen. Bewertet nach AMSTAR-2 wies das Review in sehr vielen Bereichen methodische Schwächen auf, etwa bei der Vollständigkeit der Berichterstattung, der Berücksichtigung des Verzerrungsrisikos der eingeschlossenen Studien und den Analysemethoden. Zudem lag kein Vorab-Reviewprotokoll vor.

Mavranezouli 2024: Umfangreiche systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse von allen Interventionsarten bei Depression

  • Patient*innen: Personen mit leichter bis schwerer Depression.
  • Intervention
    • WER: unklar, wir fassen hier nur Interventionen zusammen, die ggf. von Ergotherapeut*innen in Gruppen ausführbar sind und signifikant positive Effekte auf Personen mit Depressionen zeigten.
    • WAS: Gruppengröße unklar, verschiedene Interventionen (vgl. bitte Ergebnisse)
    • WO: (unklar).
    • WIE OFT: unterschiedlich
  • Vergleichsintervention: unterschiedlich, insgesamt als Routinebehandlung bezeichnet (treatment as usual) z. B. keine Behandlung, Wartegruppe, unbegleitetes oder milderes Bewegungstraining, Placebo-Medikation.
  • Ergebnisse
    • Signifikant positive Effekte bei Pat. mit leichterer Depression.
      • Bei der Verhaltensaktivierung zeigten sich sowohl bei Einzelbehandlung (n=147) als auch bei Gruppenbehandlung (n=187) positiv signifikante Effekte.
      • Bei der kognitiven Verhaltenstherapie zeigten sich in mehreren Studien sowohl bei Einzelbehandlung (n=394) als auch bei Gruppenbehandlung (n=555) positiv signifikante Effekte.
      • In der Gruppe zeigten sowohl Achtsamkeits-Therapie (n=177) als auch Achtsamkeits-Meditation (n=129) signifikant positive Effekte, ebenso Lach-Yoga (n=30) und Yoga (n=73).
    • Signifikant positive Effekte bei Pat. mit schwerer Depression
      • Insgesamt zeigten bei schwererer Depression neben Medikamenten eher die Einzelbehandlungen signifikant positive Effekte, sowohl bei Selbsthilfe- als auch bei verhaltenstherapeutischen Interventionen.
      • In der Gruppe zeigten sowohl Yoga (n=65) als auch eine Kombination aus Bewegungstraining und antidepressiver Medikation (n=79) signifikant positive Effekte.
  • Methodische Qualität: Das Review umfasste 676 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 105.477 Patient*innen und enthielt mehrere ergotherapie-relevante Studien. Bewertet nach AMSTAR-2 wies das Review in einigen Bereichen methodische Schwächen auf, etwa bei der Vollständigkeit der Berichterstattung und der Extraktion der Daten der eingeschlossenen Studien.

2. Akzeptanz von Gruppentherapie

Patient*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.

Therapeut*innen: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Akzeptanz.

3. Umsetzbarkeit von Gruppentherapie in der ambulanten Ergotherapie

Praktische Durchführbarkeit: negative Interpretation des Studienteams bez. Konsistenz der Intervention

Die Art der Interventionen war sehr heterogen.

Wenn Ergotherapeut*innen die Gruppenbehandlung durchführen, ist eine homogenere Zusammenstellung von wirksamen Interventionskomponenten, die in Ergotherapie-Praxen gut umsetzbar sind, zu empfehlen.

Tele-Fähigkeit: Die oben berichteten Publikationen ergaben keine Hinweise zur Tele-Fähigkeit von Gruppentherapien.